And One 26.04.2008 @ Docks HH

Pünktlich um 20.00 Uhr eröffnet die Vorband ‘Jäger 90’ den Abschlussgig der And One-Tour. Schon beim Klang der ersten Töne weiss man Bescheid. Ein weiterer DAF-Klon wird uns unterhalten. Der Sänger Thoralf bemüht sich nach Kräften und schleudert Schlagwörter wie ‘Muskeln’ – ‘und Küsse’ zu und klingt dabei wie ein Hooligan nach durchzechter Nacht. Die Musik kommt vom Band, der ‘Schlagzeuger’ Stev ist nur schmückendes Beiwerk, damit es auf der Bühne nicht so leer aussieht. Der Minmimalsound könnte auch von einer DAF-Scheibe gesampelt worden sein. Bei einer so einfältigen Kopie der Electropioniere möchte man am liebsten gleich kehrt machen und sich zurück an den Biertresen begeben. Allerdings werden die Rostocker von Stück zu Stück sympathischer, als man merkt, das die beiden das Ganze eher als Hobby denn als künsterisches Meisterstück verstehen. So animiert Thoralf seinen Kollegen zu einem Trommelsolo, das total in die Hose geht, oder er gibt das Mikro an einen Zuschauer mit der Aufforderung es auch mal zu versuchen, weil er meint, das das jeder könnte und damit absolut recht behält. Auch aus der fehlenden Kondition macht er keinen Hehl und hängt nach drei Songs bereits so in den Seilen, das er in gebückter Haltung nach Luft schnappt. Das kommt beim Publikum positiv an, und so wird der ‘Jäger 90’ nach gut 30 Minuten freundlich verabschiedet. Es bleibt den beiden zu wünschen, dass sie den Spass an der eigenen Unvollkommenheit bewahren, und weiterhin so normal menschlich rüberkommen wie bei diesem Konzert, denn offensichtlich sind das nette Jungs, die nur spielen wollen.

Nach einer viel zu langen Umbauphase von über 45 Minuten und zigtausendmal gehörter 80er-Wartemucke (inkl. Soft Cells nervtötender SuperspecialnichtendenwollenderMaxiversion von ‘Tainted Love’) fällt beim A-Ha-Hit ‘The Sun Always Shines On T.V.’ der Vorhang und unsere Helden eröffnen ihre Covershow. Steve, natürlich im perfekt sitzenden Anzug, grinst im Kreis, und steht von der ersten Sekunde an nicht still. Chris und Gio stehen hintereinander auf einer zweistufigen Empore und sorgen für den Sound und begeben sich im Laufe des Konzerts immer mal wieder an die Keyboards, die direkt auf der Bühne hinter dem Chef stehen. Dieser ist mal wieder glänzend aufgelegt und dreht sich im Kreis, tanzt und läuft über die Bühne wie ein Derwisch. Und das von der ersten bis zur letzten Sekunde, so wie wir es von ihm gewohnt sind. Wahrscheinlich war er als Kind hyperaktiv.
Das Song-Repertoire ist eine Reise durch den Synthipop der Achtziger. So hören wir Neuinterpretationen unter anderem von Pet Shop Boys (‘It’s A Sin’),Madness (‘Our House’), Cure (‘The Walk’), Bronski Beat (‘Smalltown Boy’), New Order (‘Blue Monday’), Erasure (‘A Little Respect’ + ‘Sometimes’), und natürlich Project Pitchforks ‘Timekiller’, der eventuell die Idee zu dieser Tour gewesen sein könnte. Auf ein Depeche Mode-Cover war ich besonders gespannt, weil Steve nachweislich ein grosser Fan der Band ist. Leider ist gerade dieser Song der schwächste des Abends, denn mit ‘But Not Tonight’ wurde doch ein zu unpopuläres und eher ödes Stück gewählt, das nicht wirklich in diese Partylaune passt.
Doch es wird auch eigenes Material zum Besten gegeben. Wir hören zwischen den genannten Stücken z.B. ‘Stand The Pain’, ‘Recover You’, ‘Sometimes’, ‘So Klingt Liebe’, oder ‘Military Fashion Show’.
Besonders schön auch Yazoos ‘Only You’, bei dem Steve sich immer wieder vom Publikum bestätigen lässt,das er selbst gemeint ist (Publikum: ‘Only you’ – Steve: ‘Who? Meee?’ – Publikum: ‘Jaaaaah!’ – Steve (verschämt): ‘Danke…!’). Auch ansonsten spricht er immer wieder mit den teilweise von weit her Angereisten auf seine charmant-alberne Art (Das ist der schönste Tag in meinem Leben) und heizt den Saal immer wieder von Neuem ein (Hamburg-Haupstadt!).
Nach 90 Minuten sind dann auch Jacke, Weste und Krawatte verschwunden und besonders die weibliche Anhängerschaft hofft darauf, wenn auch vergebens,das es Herrn Naghavi auch im Hemd zu heiss wird. Nach einer kurzen Anfeuerung kommen die drei zurück und der Frontmann macht ein paar Clownereien und weist auf den And One-Auftritt bei diesjährigen Festivals, sowie auf die Aftershow-Prty im Kir hin. Dann geht es mit ‘Schmerzengel’ weiter, bevor Chris vom Podest steigt und die beiden mit ‘Technoman’ und Billy Idols ‘Rebel Yell’ noch einmal richtig Gas geben und die Lautstärke über die Schmerzgrenze heben.
Auch wenn sich Steves Ankündigung, 48 Stunden durchzuspielen, leider nicht bewahrheitet, geht man nach zwei Stunden erschöpft, aber glücklich nach Hause.
Die Super Cover Lover Show ist ein weiterer Beweis dafür, das man mit Electromukke live partymässig Riesenspass haben kann. And One sollte man niemals verpassen.

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